Darmstädter Sezession

Werke der Preisbewerber/innen Sezessionspreis 2012

Von Darmstädter Sezession – 16.06.2012

Allgemein, Künstler über ihre eigene Arbeit

Darstellung der Werke der Bewerber/innen

LINDA HOLLKOTT * 1986 in Hagen, 1992-2006 Rudolf Steiner Schule (Waldorfschule) Hagen/ NRW, 2003-04 Bramcote College, Stapleford/Nottingham GB, 2006 Abitur, 2007 Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Achim Hoops, Dirk Skreber, Matt Mullican, Monika Baer, Michaela Melián, Prof. Michael Diers, 2010 Vordiplom, Lebt und arbeitet in Hamburg

Ein rostiger Stahl-Quader dient als Sockel für ein unfixiertes Fotogramm. Der Sockel präsentiert jedoch nicht nur das lichtempfindliche Fotogramm, sondern verbirgt es in seinem Innern, schützt es so vor dem Verblassen durch das Sonnenlicht und wird selbst wesentlichen Bestandteil der Arbeit. Dies wird dem Betrachter jedoch erst beim Öffnen des Deckels bewusst, wenn er den abgelichteten Text auf dem Fotogramm lesen kann:

„Bei diesem Fotopapier handelt es sich um ein lichtempfindliches Fotogramm.
Jedes Mal wenn der Deckel geöffnet und der Text gelesen wird, verblasst dieser und verschwindet schließlich vollkommen.“

Wie geht der Betrachter mit dem Wissen um, dass durch seine Interaktion der Text unlesbar und somit das Kunstwerk unergründlich wird?
Vielleicht verspürt er Schuldgefühle, welche eine Auseinandersetzung mit dem immateriell gewordenen Kunstwerk noch verstärken.
Hätte der Betrachter anders handeln können oder musste er seiner Neugierde nachgehen, um das Kunstwerk überhaupt existent zu machen?
Durch die fragile Beziehung von Werden und Vergehen wird die Einmaligkeit des Augenblicks und seine Vergänglichkeit zum essentiellen Thema dieser Arbeit.

MARKUS HOFFMANN

»Die Installation »spektral« ermöglicht es dem Besucher, die Lichtquellen seiner Umgebung und die von diesen angestrahlte Umwelt in spektraler Farbaufspaltung durch die dadurch entstehenden Oberflächenreflexionen des Wassers wahrzunehmen.

»spektral« verändert sich somit in Abhängigkeit von der in der Umgebung herrschenden Lichtsituation und der jeweiligen Blickposition des Betrachters.

Die Lichtquellen werden durch den prismenartig wirkenden Wasserkörper und den am Grunde der Becken befindlichen Spiegel in ihre Spektralfarben aufgespalten und schliesslich als Spiegelung an der Wasseroberfläche sichtbar.«

FABIAN VOGL * 1978, 1999-00 Studium Bühnen- und Kostümbild an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Prof. E. Wonder, 2000-04 Studium Bühnen- und Kostümbild / Ausstellungs- und Filmarchitektur an der Universität Mozarteum Salzburg bei Prof. H. Kapplmüller mit Diplom 2004-06 Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. A. Hien Zahlreiche Stipendien und Förderungen, Lebt und arbeitet in Berlin

Abb. li.: Linda Hollkott, »Metall Sockel«, 2012, Metall, Fotopapier (Fotogramm) 100 x 40 x 40 cm
Abb. mi.: Markus Hoffmann, »spektral«, 2012, Glas, Wasser, Leuchtmittel
Abb. re.: Fabian Vogl, »Lichtsteg«, 2010/12 Holz, Leuchstoffröhren, Nebelfluid, 800 x 170 x 200 cm

ALEXANDER GLANDIEN * 1982 in Schwerin, 2003-08 Studium an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Wismar im Fachbereich Kommunikationsdesign und Medienkunst. Diplom mit Auszeichnung, Seit 2009 Universitätsassistent für Experimentelle Gestaltung am Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz, 2011 Artist in Residence, Museumsakademie des Universalmuseum Joanneum, Graz, Lebt und arbeitet in Linz

»Die Installation widmet sich dem Verhältnis von Wirklichkeit und ihrem konstruierten oder reproduzierten Abbild. Den Ausgangspunkt bilden verschiedene gebrauchte Leuchtkästen und Werbedisplays. Statt einer plakativen Botschaft beleuchten diese jedoch eine hochaufgelöste und lichtdurchlässige Fotografie einer Innenansicht dieses Leuchtkastens. Die Fotografien zeigen die verborgene Technik des Leuchtkastens – die Lampen, Reflexionsspiegel, Kabel und Starter – und sie legen sich wie eine Art medialer Schleier über das eigentliche Objekt.

Das fotografische Abbild erlangt durch seine unmittelbare Präsentation am Ort seiner Entstehung und durch seine eigene Sichtbarmachung mit Hilfe der Technik, die es selbst darstellte, eine besondere Bedeutung. Die fotografische Oberfläche versperrt den Blick in das Innere und bildet diesen dennoch ab.«

MICHAEL KRENZ
* 1974 in Eisenhüttenstadt, 1993 Abitur, 1994-95 Zivildienst, 1996-97 Studium Industriedesign an der HDK Burg Giebichenstein Halle/Saale, 2000-07 Studium an der HDK Burg Giebichenstein bei Prof. Irmtraut Ohme und Andrea Zaumseil, 2007 Diplom, 2008 Lehrauftrag im Fachbereich Plastik/Metall an der HDK Burg Giebichenstein, 2008 Aufbaustudium an der HDK Burg Giebichenstein, Lebt in Halle an der Saale

SEBASTIAN MEJIA * 1980 in Cali, Kolumbien, 1998-99 Studium der Soziologie an der Universidad del Valle in Cali
1999-04 Studium der Visuellen Künste an der Universidad Javeria in Bogota, Diplom, 2005-06 Studium Deutsch als Fremdsprache an Volkshochschule und Fachhochschule Köln mit erfolgter Sprachprüfung für den Hochschulzugang, 2007 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Monika Brandmeier, 2009 Preis des DAAD, 2009 Diplom der HfBK Dresden, 2009-11 Meisterschüler, 2010 Gasthörer an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Thomas Grünfeld, Lebt und arbeitet in Düsseldorf

»Das meiste an Wissen und Erfahrungen wird heutzutage durch Abbildungen bzw. Reproduktionen von den Originalen übermittelt. Die meisten Kunstwerke, die ich während meines Studiums kennengelernt habe, sind mir durch Abbildungen aus Büchern oder aus dem Internet vermittelt worden.

Durch die digitale Welt hat sich eine parallele Realität gebildet, eine Schattenrealität, da das, was uns auf dem Bildschirm präsentiert wird, allenfalls Schatten der realen oder, besser gesagt, materiellen Welt sind.«

Sebastian Mejia

Abb. li.: Alexander Glandien, »Firnis (2)«, 2009, Spionspiegel, Lampen, Holz 125 x 125 x 200 cm
Abb. mi.: Michael Krenz, »we will win«, 2002 Stahl, Aluminium, Leuchttechnik 720 x 140 x 100 cm
Abb. re.: Sebastian Mejia, »Höhlengleichnis III«, 2012, Zeichnungsinstallation Größe variabel


ROLAND BURKART * 1990 in Montpellier/F, 2008 Abitur an der Europäischen Schule in Frankfurt/M., 2008-2010 Ausbildung als Maßschneider in München 2010 Zulassungsbescheid zum Studiengang Freie Kunst/ Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf Seit Oktober 2010 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Peter Kogler, seit dem Wintersemester, 2011 bei Prof. Hans Op de Beeck, Lebt in Versailles, London, Frankfurt und München

»Roland Burkarts Werk besteht aus einem weiß leuchtenden Quadrat aus feinen Linien, welches über dem Erdboden zu schweben scheint, und die Deckenfläche eines möglichen architektonischen Raumes markiert. Mit einem Minimum an Mitteln antwortet die Arbeit so auf die Frage, wie man einen architektonischen Raum abbildet bzw. welche Elemente nötig sind, damit er als solcher wahrnehmbar ist. Mit dem Verzicht auf begrenzende Flächen, bildet sich eine Architektur ab, die nicht effizient ist und keinen sozialen Nutzen verfolgt: sie trennt nicht, verhüllt nicht, schließt weder ein noch aus. Ein Raum ohne Wände jedoch macht seine Architektur als solche erst erkennbar, vor allem, wenn man bedenkt, dass Wände ihre Trägerfunktion heute weitgehend verloren haben, und hauptsächlich als strukturierende Elemente dienen. In dieser Funktion verschleiern sie oftmals die statische Grundstruktur der Architektur. Sinngemäß handelt es sich hier sozusagen um eine „l’architecture pour l’architecture“, die frei von Funktionszusammenhängen, auf ihr eigenes Wesen referiert.

Die substanzielle Reduktion der Installation hat darüber hinaus nicht nur eine konkrete, sondern auch eine übertragene Bedeutung, denn erstens macht sie eine Analyse der Raumstruktur erst möglich, und führt uns zweitens die Abhängigkeit unserer Wahrnehmung von materiellen Grenzen vor Augen. Die materiellen Grenzen von Architektur schreiben dem Betrachter üblicherweise sein Wahrnehmungs- und Bewegungsverhalten vor, denn stets kann man sich nur inneroder außerhalb dieser bewegen. In der Regel ist es unmöglich, einen Raum rein analytisch zu erfassen. Neben dem objektiven Verstehen spielt immer auch die (körperliche) Erfahrung eine Rolle. Burkart strukturiert in seiner Arbeit einen Raum hingegen so, dass es dem Betrachter möglich ist, von einem einzigen Standpunkt aus, die gesamten räumlichen Informationen zu erfassen, und rein durch die objektive Analyse, ausgehend vom Visuellen, zu einem räumlichen Eindruck zu gelangen. Der transparente Raum hintergeht somit die konditionierte Raumerfahrung in gleichem Maße, wie diese zum Ausstellungsobjekt wird.« Sabine Weingartner

STEFAN DEMMING
* 1973 in Südlohn, 1999 1. Staatsexamen Kunst und Geschichte an der Uni Bremen, 1999-2007 Studium der Freien Kunst im Atelier für Zeitmedien bei Jean-François Guiton und David Bade an der HfK Bremen, 2007 Meisterschüler bei Jean-François Guiton, 2000 Deutscher Videoinstallationspreis der Stadt Marl, 2001 Bremer Förderpreis für Bildende Kunst, 2002 OLB-Medienkunstpreis Osnabrück, 2003 Videokunstförderpreis Bremen Studien- und Projektstipendien des RBK Rotterdam, des Cusanuswerks, des DAAD, der Euregio und des Künstlerdorfs Schöppingen, Lebt in Berlin

»‘Endless lights‘ zeigt das nächtliche Lichtermeer der Megalopolis. Im Dreieck aus Spionspiegeln reflektieren die Lichter der scheinbar endlosen Stadtlandschaft. Das Panorama ist eine Einladung, dem gesunden Menschenverstand zu misstrauen und die Wahrnehmung auf Entdeckungsreise zu schicken. Wer sich bereitwillig auf die Verführung des Blicks einlässt, kann durch eine Kulissenlandschaft wandeln und die Grenzen des Greifbaren überschreiten.

Die Arbeit ist inspiriert aus der Erfahrung, mit dem Flugzeug nachts in Mexico City zu landen. Die bis an den Horizont reichenden Lichtpunkte repräsentieren jeweils einzelne Häuser und Straßenbeleuchtungen der Millionenstadt. In der Ausstellung wird die Skulptur in einer kleinen Hütte präsentiert, wie sie am Rand einer Millionenstadt stehen könnte.«

CHRISTIAN LEITNA * 1977 in München Ausgebildeter Werbetechniker, 2001-08 Studium der Freien Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste, München bei Prof. Olaf Metzel, 2002 »Tassilo-Preis« der Süddeutschen Zeitung, München, 2005 Studium an der Faculty for Art and Design, Manchester, UK, bei Dean Hughes und Keith Brown, 2006 1. Platz Kunst am Bau, Stadtbibliothek, Freising, 2007 LFA Förderpreis für junge Kunst, Bayern, Lebt und arbeitet in München

»Christian Leitna entzieht sich einer Flüchtigkeit und geht den Dingen unter die Oberfläche. Seine künstlerische Arbeit, bestehend aus Druckgrafik und Installationen, folgt einem konzeptuellen Ansatz und dreht sich in erster Linie um Wahrnehmungsprozesse, Vergänglichkeit und das Verhältnis von Masse und Individuum. Er beschäftigt sich damit, wie sehr Massenmedien und gesellschaftliche Strukturen zur allgemeinen Meinungsbildung beitragen, was wir wirklich selbst entscheiden und was bereits andere für uns vor-selektieren. Seine Installationen entstehen meist im Ausstellungskontext, greifen signifikant die oftmals einseitige und verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit unserer modernen Gesellschaft auf. Was bleibt ist eine gewisse Ungewissheit. Die eingefangene Stimmung transportiert ein vages Gefühl. Er lenkt durch Überarbeitung den Blick auf verborgene und verlorene Dinge.«

Auszug aus »Das Bild der Wirklichkeit« Anna Wondrak

Abb. li.: Roland Burkart, »Architektonischer Raum«, 2012, Optische Fasern, Kunststoffkabel, 972 x 600 cm
Abb. mi.: Stefan Demming, »Endless Lights II«, 2007, 3 Spionspiegel, 600 Lichter, Holz, Stahl, 200x200x200 cm
(Für die Ausstellung in Darmstadt entsteht »Endless Lights III«. Die Skulptur wird in einer Hütte gezeigt)
Abb. re.: Christian Leitna, »Freigut«, 2012, Leuchtkasten mit klarem Plexiglas, 160 x 140 x 30 cm

DOMINIK MOHS UND SALOME CHKHEIZDE-MOHS
Dominik Mohs * 1979 in Bremen, 1999-06 Studium der Architektur an der Universität der Künste Berlin 2004 Praktikumsstipendium »Leonard« Atelier Jean Nouvel, Paris, 2006 Diplomarbeit Architektur
2008 Stipendium des Berliner Senats in der »Cité Internationale des Arts« Paris

Salomé Chkheidzde-Mohs * 1979 in Tiflis/ Georgien, 1997-03 Studium der Bildenden Kunst an der Staatlichen Akademie der Künste Tiflis, 2002 Dreimonatiges Aufenthaltsstipendium an der Accademia delle Belle Arti di Brera/ Milano 2003 Tutorenstelle für Aktzeichnen an der TU Tiflis, 2004 DAAD-Stipendium an der Universität der Künste Berlin, 2006 Absolventin der Universität der Künste Berlin,
2008 Meisterschülerin bei Prof. Burkhard Held, 2008 Aufenthalt in der »Cité Internationale des Arts« Paris

Leben und arbeiten in Berlin

1. Die Skulptur Sonnenring ist als ein auf die Bewegung der Sonne verweisendes Werk konzipiert, aus ihrem Licht einen Ort zeichnend, einladend ihn zu betreten, zu beobachten, die stereotypischen alltäglichen Visionen zurückzulassen und die herkömmlichen Kategorien von Zeit und Raum verwischen zu lassen. Der Sonnenring zeichnet ein Orbit und umschließt den Raum, ihn in Ort verwandelnd, durch die Leere, und dadurch das Eigene der Skulptur hervorbringend.

2. Der Sonnenring ist ein Werk, das beabsichtigt, die Orientierung im Raum zurückzubringen. Dieses ist eine wesentliche und unverzichtbare Haltung des Menschen, eine Betrachtungsweise die Freiheit und Glück des Menschen schützt und bewahrt. Im Sonnenring wird der Betrachter dazu aufgefordert, sich zu fragen, welches seine eigene Position auf der Erde ist, im Kosmos, im Raum, sich über die Quelle des Lichtes zu befragen, ob die Art und Weise in der er die Welt wahrnimmt die einzig mögliche und vernünftige ist.

Martin Heiddeger schreibt in „Die Kunst und der Raum“, die Plastik wäre die Verkörperung von Orten, die eine Gegend öffnend und sie verwahrend, ein Freies um sich versammelt halten, das ein Verweilen gewährt den jeweiligen Dingen und ein Wohnen dem Menschen inmitten der Dinge (SS.32-33). Der Sonnenring hat im Zentrum, in der Mitte Leere und das ist die Leere die man immer betrachten sollte wenn man das bildhauerische Werk betrachtet: “Vermutlich ist jedoch die Leere gerade mit der Eigentümlichkeit des Ortes verschwistert und darum kein Fehlen, sondern ein Hervorbringen“ (S.36). Für Heidegger ist die Leere eng verbunden mit dem ursprünglichem Sinn des Lesens: “Wiederum kann uns die Sprache einen Wink geben. Im Zeitwort leeren spricht das Lesen im ursprünglichen Sinne des Versammelns, dass im Ort waltet“ (S.36). Das Besondere einer Skulptur besteht in ihrer Möglichkeit, einen Ort zu bewohnen. Dass der Ort aber für den Menschen bewohnbar wird, ist durch die Formwerdung des Werkes sichergestellt. „Das Glas leeren heißt: es als das Fassende in sein Freigewordenes versammeln“. (S.36)

So erinnert uns der Sonnenring, dass die Leere kein Nichts ist, wie es nicht einmal der Mangel ist, hingegen, wie Heidegger schreibt „in der plastischen Verkörperung spielt die Leere in der Weise des „suchend-entwerfenden Stiftens von Orten“. Der Sonnenring verweist auf die Möglichkeit des Formwerdens einer Skulptur als einem Ans-Licht-bringen, dem tiefsten Sinn des Wohnens der Menschen auf Erden.« Auszüge aus einem Text von Maurizio Guerri

JUDITH SPANG * 1980 in Trier, 2001-10 Kunststudium an der Kunsthochschule Mainz bei Prof. Ansgar Nierhoff (Bildhauerei) und Prof. Ullrich Hellmann (Metallbildhauerei), 2002 Austauschprojekt Haccepete Universität Ankara/Türkei, 2003 einmonatiger Arbeitsaufenthalt St. Jean de Fos/ Frankreich, 2007 CUT 07 Video, 2. Preis der Deutschen Energie Agentur Berlin, 2010 Prädikatsexamen 2010 bis heute Meisterschülerin bei Prof. Ullrich Hellmann, 2012 Preisträgerin des Ferchau Art of Engineering Lebt und arbeitet in Mainz

»In Schwärmen von Tausenden erwachen die Schlüsselfinder nach der ersten Aktivierung zum Leben und kommunizieren akkustisch und visuell miteinander. Sie leuchten wie Feuer und erinnern an Grillenzirpen.

Im dunklen Raum kann der Betrachter durch Pfeifen in Kontakt mit ihnen treten. Ein Dialog entsteht nur unter den Bedingungen des Schwarms, während er mit dem einzelnen Element nicht möglich wäre.

Wie in einer Kettenreaktion entfacht die Installation immer wieder neu, bis sie durch das völlige Entladen der Knopfzellen nach etwa zwei Monaten erlöscht.«

THOMAS UND RENÉE RAPEDIUS
* 1975 / 1973 in Niedersachsen, Bis 2004 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Prof. Pia Stadtbäumer

»Uns interessiert die in Abwandlungen und verschiedenen Maßstäben variierende Wiederholung von Formen in Natur und Kultur. Von der Ideen- und Formensuche über die Materialforschung und Transformation bis zur Installation findet ein fortwährender Prozess der Wandlung, des Weiterspinnens von einer Form zur nächsten, statt. Dabei entstehen Objekte, die in ihrer Materialität künstlich sind und dennoch natürliche Phänomene assoziieren lassen. Es ist die Suche nach einem Zusammenhang der sichtbaren Formen, nach deren Genese in der äußeren Natur wie in der inneren unserer Wahrnehmung.«

Abb. li.: Salomé Chkheidzde-Mohs, »Sonnenring«, 2012, Holz, Glas, 220 x 1000 cm
Abb. mi.: Judith Spang, »Just Whistle!«, 2012, Schlüsselfinder in einem dunklen Raum
Abb. re.: Thomas Und Renée Rapedius, »0.036/3«, 2012, pulverlack. Aluminiumstangen, nachleuchtend, ca. 200 x 400 x 500 cm

PATRICIJA GILYTE * 1972 in Kaunas in Litauen, 1991-97 Studium an der Kunstakademie Vilnius und dem Kunstinstitut Kaunas, 1995 Bachelor of Arts, 2000 Master of Arts, 1997-04 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Nikolaus Gerhart und Norbert Prangenberg, Diplom 2005, 2006-07 Gastdozentin am Kunstinstitut Kaunas/Litauen, Zahlreiche Preise, Stipendien, Aufenthalte und Kollaborationen, Lebt und arbeitet in Ulm

»Die assoziativ zu erfassende Bedeutung des Lichterfeldes wechselt je nach atmosphärischer Stimmung und geht erst mit Einbruch der Dämmerung in eine andere gedankliche Dimension über: Ob das Satellitenbild unseres Planeten oder die Luftaufnahme einer Großstadt oder eines Friedhofs – welche Rolle der Titel Wishpool_Solar dabei einnehmen kann, soll bewusst offengehalten werden.

Ich arbeite mit der Verschränkung von Innen- und Außenräumen, wobei stets Übergänge von einem Material in ein anderes entstehen. Hierbei übertrage ich meine persönlichen visuellen Eindrücke, verknüpft mit den Gedankenprozessen einer in der Bildhauerei verankerten Vorgehensweise.«

CONSTANZE SCHÜTTOFF * 1973 in Dresden geboren, 2003-2011 Studium der Bildhauerei an der Burg Giebichenstein – Kunsthochschule Halle, Diplom, lebt und arbeitet in Radebeul

licht ist der ursprung der farben. licht ermöglicht sehen. licht gibt energie. licht vereint ausstrahlung und anziehung. licht vermittelt geistiges, göttliches. licht eröffnet raum.

blau,
ungreifbar, still, verborgen – dennoch gegenwärtig
blaue fläche – leichtigkeit des himmels, schwere der erde und des wassers
gegensätzliche kräfte, dazwischen eine offene linie –
der horizont.
lichte weite, ferne, nähe
auseinander- und zusammendrängen der beiden gegensätzlichen pole,
ent- fernen,
der ferne die ferne nehmen,
vibrationen des lichts im papier,
ferne durch nähe
raum, zwischenraum, tiefenraum, innerer raum, geistiger raum
wahrnehmen
erkennen
den augenblick verlängern
öffnet der horizont den verborgenen raum der materie?

JOHANNES VOGL

»Die Skulptur besteht aus einem achteckigen Tarnnetz, das wie ein Baldachin auf einer Wiese durch eine Konstruktion von Stahlstangen aufgespannt wird. Das Tarnnetz trägt jedoch nicht das typische Militärmuster, sondern besteht aus einer ca. 8 x 8 m großen schwarzen LKW-Plane, in welche, wie mit Pixeln, das Bild einer Lichtung, vom Boden aus gesehen, gestanzt und geschnitten wurde. Betritt man nun den Bereich unterhalb des Baldachins, sieht man eine Lichtzeichnung im Himmel. Sie erscheint, als betrete man eine Lichtung in einem dicht bewachsenen Wald, seitlich ist jedoch die Konstruktion dieser Illusion mit ihren Abspannungen zu sehen.

Die achteckige Form der Skulptur bezieht sich sowohl auf den Grundriss von Nomadenjurten, als auch auf die Kassettenmalereien von barocken Kirchenkuppeln.

Mit dieser Konterkarierung entsteht eine Oase im urbanen Getümmel.«

Abb. li.: Patricija Gilyte, »Wishpool_Solar«, 2011-12, Teelichter, Kerzenständer, Aluminium ca. 400 x 300 cm
Abb. mi.: Constanze Schüttoff, »blauer horizont«, 2012,
Installation (pigmentierte Papiere zwischen Weißglas), 200 x 450 x 3,6cm
Abb. re.: Johannes Vogl, »Lichtung«, 2009, Aluminuium, Stahl, PVC 700 x 700 x 800 cm
16.06.2012
Künstlerhaus Ziegelhütte
Beitrag zu Künstler