Darmstädter Sezession

Volker Brüggemann über sein Werk

15.07.2013

Künstler über ihre eigene Arbeit

»Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen«, schreibt Albert Camus in einem seiner philosophischen Traktate. Als Bildhauer, der sich ebenfalls mit dem Stein abquält, und dessen Arbeit aus Prinzip nie abgeschlossen, nie vollendet ist, scheint mir diese Aussage durchaus einsichtig. Und wenn schon auf den Gesichtszügen unseres antiken Helden ein leichtes Lächeln zu vermuten ist, wenn er dem in die Tiefe rollenden Stein hinterher steigt, er seine Arbeit immer wieder von neuem unverzagt aufnimmt in dem Bewusstsein, dass dies eben seine Aufgabe ist, er die als Strafe gedachte Tätigkeit als Erfüllung seiner Existenz betrachten kann und somit Gott und der Welt trotzt, dann wird begreiflich, dass die harte Knochenarbeit des Steinmetzen, die geduldige und sensible Arbeit des Künstlers, trotz ihrer scheinbaren Sinnlosigkeit und Absurdität in unserer heutigen Gesellschaft, Kräfte frei werden lässt, zu Erkenntnissen führt, die erfüllen und froh machen.

Mir macht der Dialog mit den Steinen ungeheuren Spaß: die Steine auch für Sie sprechen zu lassen ist jedoch nicht in erster Linie durch Erläuterungen und Erklärungen zu erreichen, sondern müsste unmittelbar durch das eigene Sehen und in sich Hineinhören erlebt werden.

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