Darmstädter Sezession

Verleihung des Haupt- und Förderpreises der Darmstädter Sezession 2015

Von Jörn Heilmann (Pressereferent) – 14.11.2015

Pressemitteilung

Pressemitteilung 14.11.2015
Verleihung des Haupt- und Förderpreises der Darmstädter Sezession 2015

Die Jury hat entschieden: Nach 4-wöchiger Ausstellungsdauer ging am Samstag, dem 14. November die Ausstellung der Bewerber/innen für den Preis der Darmstädter Sezession und Förderpreis 2015 zu Ende. Nach eingehender Beratung wurden vom Vorstand der Darmstädter Sezession, unter Beisitz von Herrn Professor Dr. Ludger Hünnekens/Kulturreferent der Wissenschaftsstadt Darmstadt und Frau Tanja Zocher/Kulturreferentin Merck KGaA, nun die Preisträger bestimmt. Susann Maria Hempel erhielt den mit 5.000,- € dotierten Hauptpreis, der mit einer Sonderausstellung sowie mit einer Mitgliedschaft in der Darmstädter Sezession verbunden ist. Thomas Blank und Mila Burghardt wurden mit dem Förderpreis und je 1.500,- € geehrt. Die Jury hat damit den Förderpreis in diesem Ausnahmefall auf zwei Teilnehmer aufgeteilt, da sie von der Qualität beider Künstler überzeugt ist. Das Preisgeld wurde in diesem Fall um insgesamt 500,00 EUR angehoben. Die Darmstädter Sezession schreibt seit 1975 den Preis für junge Künstler/innen aus. Hiermit sollen aktuelle Tendenzen sichtbar gemacht und hoffnungsvolle Talente aktiv gefördert werden.

Susann Maria Hempel, Thomas Blank und Mila Burghardt hatten sich aus einer Vielzahl von Bewerbern deutschlandweit durchgesetzt und durften ihre Interpretationen zum Thema „AUFBRUCH / ästhetische Reflexionen“ mit 8 weiteren Bewerbern im Medien- und Hörsaalzentrum der Technischen Universität Darmstadt auf der Lichtwiese vorstellen. Das Thema lieferte ein interessantes Spektrum an künstlerischen Sichtweisen. Die Auseinandersetzungen berücksichtigten zum einen technische Herangehensweise, Materialität, Interaktivität, wie auch Einsichten über die Begrifflichkeit des Themas als solches. Susann Maria Hempel war mit ihrer Arbeit »Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen« angetreten. Mila Burghardt präsentierte sich mit dem Performance-Video »Was man die absolute Realität nennen könnte« und Thomas Blank stellte sein »Archiv der Gier« vor.

Zur Begründung des Hauptpreises an Susann Maria Hempel:

Die Jury vergibt Ihren Hauptpreis an die 1983 geborene Susann Maria Hempel.

„Die Künstlerin hat mit ihrem Film »Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen« ein ungemein bewegendes Filmdokument geschaffen. In einer ganz eigenen Bildsprache ist es ihr gelungen, die düstere Welt sexuellen Missbrauchs und sexueller Unterdrückung mit  tiefer menschlicher Anteilnahme zu thematisieren. Dabei zieht Susann Maria Hempel alle Register der ihr bei ihren ausgeklügelten, realen Objekt-Animationen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Die Art und Weise, wie sie mit verblüffenden Perspektivwechseln ihre Erzählebenen aneinander reiht und ihre durchkomponierten Bühnenbilder mit surrealen Versatzstücken aus der Wirklichkeit bespielt, ist bestechend. Das perfekte Zusammenspiel von Film, Sprache und musikalischem Beiwerk hat die Jury nachhaltig beeindruckt.

Unterstrichen wird das einstimmig erfolgte Votum der Jury überdies vom Urteil über zwei weitere Filme der Autorin, welche ihre Virtuosität im Umgang mit dem Medium Film in herausragender Weise bestätigen.“

Zur Begründung des Förderpreises an Thomas Blank:

„Das von dem 1990 geborenen Thomas Blank in der Ausstellung präsentierte »Archiv der Gier« fußt grundlegend auf der uralten Midaslegende. In Kooperation mit seinem Partner Patrick Richter konstruierte er ein konzeptuelles Kunstwerk, das sich mittels einem eigens gegründeten »Institut Avaroid« auf eine äußerst komplexe, nahezu wissenschaftliche Weise mit der menschlichen Habgier auseinandersetzt. Wie dabei die in Kunstharz eingebetteten Bildträgerreste von SX 70-Polaroidfotos zu Gier-Erregern deklariert und als wissenschaftliche Sammlung offeriert werden, ist erstaunlich und im Ergebnis von eigentümlicher Schönheit.  

Die Jury preist mit ihrer Entscheidung die gekonnte Verknüpfung von Performance, Konzeptkunst und haptisch erfahrbar gemachtem skulpturalen Ereignis, die auf einen spannenden künstlerischen Weg hoffen lässt.“   

Zur Begründung des Förderpreises an Mila Burghardt :

„Die Jury lobt mit ihrem in diesem Jahr halbierten Förderpreis der Sezession für junge Künstlerinnen und Künstler die 1985 geborene Mila Burghardt. In ihrem rund vierzigminütigen Videoloop, mit dem ebenso auswegslos wie ironisch zu wertenden Titel »Was man die absolute Realität nennen könnte« kommen ihre Talente sowohl als Videokünstlerin wie auch als Performerin gleichermaßen zum Ausdruck.

Wenngleich spätestens nach gut der Hälfte des Films sein Ausgang absehbar ist, bleibt die rein performative Leistung der Künstlerin nachhaltig im Gedächtnis und trug somit im Zusammenhang mit weiteren Aufzeichnungen von Performances der Mila Burghardt zur Entscheidung der Jury bei.“

Am vergangenen Samstag endete die diesjährige Ausstellung des Haupt- und Förderpreises der Darmstädter Sezession im Rahmen einer Finissage. Man wird gespannt den weiteren künstlerischen Verlauf der Preisträger verfolgen und darf sich auf eine Sonderschau der Hauptpreisträgerin Susann Maria Hempel in 2017 freuen. Die Ausstellung und Preisvergabe erfolgte mit freundlicher Unterstützung von Stadt Darmstadt, HSE-Stiftung und Kurt und Lilo Werner RC Darmstadt Stiftung.

Weitere Informationen zur Künstlervereinigung Darmstädter Sezession sind einsehbar unter: www.darmstaedtersezession.de

Anhang:
Hemple_Susann_Maria.jpg (»Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen«)
Blank_Thomas_Detail.jpg (»Archiv der Gier«)
Burghardt_Mila.jpg (»Was man die absolute Realität nennen könnte«)
Vita_Preistraeger.pdf
Die Abbildungen dürfen honorarfrei nur im Zusammenhang mit einem Hinweis/einer Berichterstattung über die Ausstellung verwendet werden.