Von der Erde genommen

Künstlerische Positionen mit/über Sand, Ton, Keramik und Lehm

11.03.2018 – 22.04.2018

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, dem 11. März 2018, 16 Uhr
laden wir herzlich ein.

Einführung: Anja Trieschmann
                         Thomas Georg Blank

Finissage und Brunch: Sonntag, 22. April 2018, 11 Uhr
Öffnungszeiten: Fr/Sa 16–19 Uhr, So 13–17 Uhr
und nach Vereinbarung (0173 9812380)
Informationen zum Rahmenprogramm:
www.ateliersiegele.org

Wir müssen davon ausgehen, dass schon unsere Ahnen gerne im Matsch gespielt haben. Lange bevor Menschen ihre Umwelt mit Werkzeugen gestalteten, haben die Hände unserer Vorfahren bar jeder Hilfsmittel nasse Erde geformt.

Ohne große Mühe lassen sich Sand, Ton und Lehm bearbeiten, es entstehen Haufen, Würste, Kugeln und Körper. Leider können wir uns diese frühen Zeugnisse menschlichen Handelns nur innerlich vor Augen führen. Vermutlich lag die Halbwertszeit der entstandenen Produkte imIdealfall bei wenigen Tagen.

Doch der Gestaltungswille des Menschen forderte Dauer und aus Lehm wurden Ziegel, aus Ton wurde Keramik und aus Sand wurden Mörtel und Zement. Der ursprünglichen Geste der Hand-Arbeit wurden über die Jahrtausende mehr und mehr Möglichkeiten hinzugefügt, so das die Zahl der Formen ins schier unermessliche stieg. Was Künstler der letzten Jahrzehnte mit ihren Vorfahren aus grauer Vorzeit verbindet, ist der Wille zur Be-Geisterung des Materials, oder anders gesagt: der Wille der toten Erde Leben einzuhauchen.

Die Ausstellung versammelt Positionen, denen der Rückgriff auf Sand, Ton oder Lehm – Bodenstoffen also – gemein ist. Ob unmittelbar, gebrannt, verformt, filmisch oder ganz anders: eine Erdnähe ist den hier versammelten Positionen trotz medialer Vielfalt nicht abzusprechen. Damit verbunden ist auch das gefühlte Gewicht, denn die hier versammelten Werke wiegen schwer.

„Von der Erde genommen“ – der Titel der Ausstellung variiert einen biblischen Satz, der zentral ist im christlichen Trauerritus. Zum einen verweist er auf das dem Künstler durchaus verwandte Bild der göttlichen Belebung, der Erschaffung des Menschen aus dem Boden des Ackers.

Der Rückgriff auf diese Zeilen geschieht jedoch auch, um der Stifterin der Räumlichkeiten mit dem Auftakt zu gedenken. In den ersten Wochen des Jahres 2017 verstorben, hinterlässt Sigrid Siegele in den Reihen der Darmstädter Sezession eine große Lücke. Aber so wie zu Lebzeiten hat sie auch in Abwesenheit noch viel zu geben: Erinnerungen, Werke und den Auftrag, ihre frühere Wirkungsstätte mit neuem Leben und neuen Werken zu füllen.

Veranstaltungsort:

Atelier Siegele
Wolfskehlstr.110a, Darmstadt

Veranstalter:

Gastkünstler

Harun Farocki
Paul Simon Heyduck
Thomas Tiltmann