Closed Universe (Part II)

Mechanismen der Radikalität in der Zeitgenössischen Kunst

19.05.2017 – 28.06.2017

Was bedeutet Radikalität? Abgleitet von dem lateinischen Wort für Wurzel radix wird das Adjektiv radikal im übertragenen Sinne für das Bestreben verwendet, etwas elementar und unnachgiebig zu ergründen, zu ändern oder zu lösen – an der Wurzel zu packen. Insbesondere die jüngeren und jüngsten soziopolitischen Geschehnisse scheinen ein erneutes Bewusstsein geschaffen zu haben, in dem die bildende Kunst nachhaltig als medienwirksames Mittel zur kritischen Äußerung begriffen wird. Folgt aus dieser Wiederentdeckung also unweigerlich, dass die konzeptuellen Überlegungen und künstlerischen Resultate nach außen umso radikaler erkenn- und fühlbar sein müssen, je drastischer und repressiver das aktuelle, globale Zeitgeschehen empfunden wird? Oder kann bereits dann von extremen Tendenzen die Rede sein, wenn es eine gegenteilige Meinung zu der herrschenden gibt?
Die seit einigen Jahren andauernde Entwicklung lässt den Schluss zu, dass die Auffassung von künstlerischer Radikalität in hohem Maß von politischen, soziokulturellen und ökonomischen Ereignissen beeinflusst wird und letztere in der Kunst wie in einer Echokammer verarbeitet werden.

Die Ausstellung bietet keine eindeutige Antwort auf die Frage nach Radikalität. Vielmehr stellt Closed Universe II unterschiedliche Positionen vor, auf welche der Begriff ‚radikal‘ angewendet werden kann und versteht sich gleichsam als Plattform für Diskurse, die von den jeweiligen künstlerischen Positionen selbst ausgehen. Daran knüpfen sich die Fragen an, was Kunst ist? Muss sie ein Ziel haben? Hat Kunst Grenzen oder muss Kunst Grenzen haben? Wer legt in letzterem Fall diese Grenzen fest?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski *(1984 St. Petersburg), der mit konzeptuell wie körperlich drastischen Interventionen im öffentlichen Raum auf die mangelnde Meinungsfreiheit in Russland reagiert.

Der spanische Konzeptkünstler Santiago Sierra (*1966 Madrid) ist bekannt für seine radikale Sozial- und Gesellschaftskritik. Im Zentrum steht die ökonomische Ausbeutung von am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen.

Die künstlerisch-politische Aktionsgruppe Zentrum für politische Schönheit macht mit ihren Interventionen im öffentlichen Raum auf humanitäre Missstände, insbesondere in der Flüchtlingspolitik aufmerksam.

Der Kolumbianer Wilson Diaz (*1963, Pitalito) untersucht in seinem vielseitigen Œuvre die Wurzeln der Konflikte in seinem Heimatland, dessen prekäre Situation durch die allgegenwärtige Korruption verschärft wird.

Eine bewusst humorvolle Setzung innerhalb der Ausstellung vollzieht sich mit dem Institut Avaroid. Die fiktive Institution untersucht den parasitären Befall, der Gier im Menschen auslöst. An dessen Ende steht die Austreibung des schädigen Schmarotzers, der aus dem Zusammenleben mit anderen Lebewesen einseitig Nutzen zieht.

Gleichzeitig schließt sich damit der Kreis von Ursache und Wirkung, da häufig eine unersättliche Gier die Triebfeder den Nährboden für soziale Ungleichheit und Machtmissbrauch bildet.

Nadia Ismail

Teilnehmende Künstler

Veranstaltungsort:

Galerie Petra Martinetz
Moltkestraße 81, köln

Veranstalter:

Galerie Martinetz
Teilnehmende Künstler

Wilson Diaz

Pjotr Pawlenski

Santiago Sierra

Zentrum für politische Schönheit