Darmstädter Sezession

Über Michael Sells Werke

12.08.2013

Künstlerkritik

»In der Kunst des Michael Sell kann der Tod wie ein Geburtstag wirken. (…) Selten leistetesich die Wut so befreiende Ausbrüche wie in Michael Sells Sechs Fürsprüche (…), die den wohl lebendigsten Abend der (Donaueschinger) Musiktage bescherte (…) Musik geht über sich selbst hinaus, indem sie ihre Ohnmacht einbekennt (…) Sell hat (…) ein Stück komponiert: Weltliteratur und musikalische Vokabulare werden fragmentiert und neu zusammengesetzt (…) zu einem zukunftweisendem Ganzen (…) hält sich seit längerem dort auf, wo Pierre Boulez 1955 die Neue Musik angesiedelt hat: »An der Grenze des Fruchtlandes« (…) Theologischer Einsicht brauchte es (…) nicht, wohl aber geschärften musikalischen Bewußtseins, wie es Sell besitzt. (…) gleichwohl behauptet er eine eigenständische Position innerhalb des zeitgenössischen Musikbetriebes. Noch kann es sich die Frankfurter Alte Oper leisten, solch anspruchsvolle Unterfangen zu unterstützen. (…) Das Stück (Super-Konvolut) ist eine Klangmeditation, die dem Hl. Franziskus der Neuen Musik aus Frankreich (Messiaen) als jesuitisch-deutsche Fortschreibung antwortet. / … Schlußendlich (…) die Konzertante Interpretation von La Bourse des G. P. Telemann, ein (…) prophetisches Werk Michael Sells, in dem sich der barocke Dax in Dur und Moll auf dem Parkett (…) als hübsch desaströses Kursfeuerwerk entpuppte (…) Sell, dieser Papageno der Neuen Musik (…) So vollplastisch, als klangbewegte Skulptur, ist Klaviermusik sonst nicht zu erleben. (…) Musik (…) eine fast im Sekundentakt zündende und detonierende Klangfront.«

Frankfurter Rundschau

»(…) vor allem aber an der großartigen Umsetzung der Stoffe durch den (…) Komponisten Michael Sell und sein Ensemble (…) Sells Kompositionen…sind grenzüberschreitend, provozierend, ungewöhnlich; originell, skurril, nervös, lautstark… eines sind sie nicht: postmodern und lau (…) schuf er Werke, so sperrig und kantig, daß alle Interpreten ihre Schwierigkeiten damit hatten und (…) die Analytiker schließlich mit der Einordnung dieser Musik in einer der Verständigungskategorien der Kunstkritik (…) in der unübersehbar zerklüfteten Landschaft zeitgenössischer Musik nimmt Sell eine Sonderstellung ein (…) Mundstück-Propaganda. (…) jeder multiphone Effekt, jeder schrille Auswurf und jede gleichzeitig mitgesungene Phrase (war) exakt notiert, (…) Malte Burba auf den fülligen Leib geschrieben.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Andere haben Klaviere in Brand gesteckt oder Gitarren zu Kleinholz geschlagen, Michael Sell und sein Ensemble nageln (…) einen Haufen pittoresk verbogenes Blech auf eine Tischplatte. Der Meister signiert (…) vom Ko-Ko-La-La-Komponisten eigenmündig auf der Trompete begleitet.«

Süddeutsche Zeitung

»Michael Sell (…) betont das Problematische, ergötzt sich am Widersprüchlichen… Hier wirft sich einer hinein in den (…) Disput – vehement, kritisch, auf eine seltene Art musikantisch (…) und steigern das Bisherige zu einem (…) furiosen Akt an der Grenze zum klingenden Genickbruch.«

Neue Zeitschrift für Musik

»Man muß sich entweder pausenlos konzentrieren oder völlig verweigern. Niemand wird in konventioneller Erwartungshaltung bestätigt. (…) Sell (…) nimmt inzwischen schon eine Sonderstellung unter den deutschen Komponisten ein (…) sein Materialavantgardismus hat etwas Unerbittliches (…) das amüsanteste Stück des Konzertes bildete den Schluss – die konzertante Interpretation von Telemanns La Bourse«

Dresdner Neueste Nachrichten

»(…) Sell ist einer der sperrigsten Komponisten der deutschen Moderne. (…) Sell propagiert die Emanzipation des Chaos.«

Münchner Merkur
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