Darmstädter Sezession

Über das Werk von Ranil Beyer

Von Thomas Schönberger – 10.07.2013

Künstlerkritik

Seine tiefgrünen Wiesenlandschaften sind so düster wie die Gemälde altniederländischer Meister. Mit ihren gegenläufigen Unschärfen wirken die Bilder, als wären sie aus einem fahrenden Zug heraus fotografiert worden. Und unweigerlich beginnt das Auge, diese fast wie Pastelle wirkenden Aufnahmen nach Verwischung und Übermalungen abzusuchen – ein Eindruck, den Ranil Beyer … noch dadurch verstärkt, indem er seine Fotos auf Alubond-Platten, also dünnes Aluminium aufzieht. Das ist jedoch keineswegs das übliche Vexierspiel, für das man es halten könnte, Fotografie versus Malerei, wie es Gerhard Richter und andere seit Ewigkeiten paktizieren.

Beyers Unschärfe hat nichts mit der Malerei zu tun, sondern ist die Symbiose aus einer fotografischen und einer filmischen Technik. Wie an einem Filmset fährt er im Halbkreis aus Schienen an seinem Motiv vorbei, die Kamera auf lange Belichtungszeit gestellt. »Für mich ist die Unschärfe keine Verschleierungstaktik. Sie dient nur dazu, Freiflächen für den Betrachter zu schaffen, damit ersie mit seiner Imagination selbst ausfüllen kann. So mache ich ihn mir zum Komplizen«, erklärt Beyer. Auf das Thema Unschärfe ist er durch seine Studien zur englischen Bewegung der Piktoralisten im 19. Jahrhundert gestoßen. Schon damals galt es, sich gegen den ständig geforderten Realitätsanspruch zu wehren, um die Fotografie als eigenständige Kunst zu manifestieren.

Beyer, der für diese Fotoarbeiten völlig auf digitale Manipulation verzichtet hat, sieht das Problem in anderer Form im Zeitalter der Digicams wieder heraufziehen: »Wir sind heute in einer ähnlichen Situation. Wenn jeder glaubt, an einem Computer gute Fotografien herstellen zu können, leidet die ganze Gattung darunter.«

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