Darmstädter Sezession

Ludmila Seefried-Matejkova – Solitudine

11.08.2013

Künstler über ihre eigene Arbeit

»Das Mädchen saß allein auf einer Bank im nahezu leeren Busbahnhof in Riva. Sie fiel mir gleich auf: sehr jung, blass, schwarz gekleidet, in knappem T-Shirt, kurzem Lederrock und hohen Schaftstiefeln; die Hände fest im Schoß zusammengeklemmt, ihr schlanker Körper leicht nach hinten geneigt; halblange, schwarze, strähnige Haare rahmten das hübsche Gesicht. Ich ging an ihr vorbei, um sie unauffällig genauer betrachten zu können – dabei bemerkte ich auch den silbernen Ring in ihrer Unterlippe. Ein flüchtiger Blick ihrer schwarzen Augen streifte mich kurz, an ihrer Körperhaltung hatte sich nichts verändert – sie saß da wie eine Statue. Die Einsamkeit dieses jungen Menschen hat mich stark berührt. Ich wusste sofort: das wird die nächste Skulptur, die ich machen möchte! Am gleichen Abend zeichnete ich eine kleine Skizze. Nach der Rückkehr nach Berlin fing ich gleich an, die Figur in Ton aufzubauen – zuerst eine kleine Skizze, danach in Originalgröße; die kleine Anfangsskizze und meine Erinnerung halfen mir dabei.

Weil mich die Inspiration gerade in Italien getroffen hat, gab ich der Arbeit den italienischen Namen »Solitudine«, jenes Wort, das mir schon bei der ersten Begegnung eingefallen war.«

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