Darmstädter Sezession

Loading… Über das Werk von Ruben Aubrecht

Von Franz Thalmair – 28.08.2013

Künstlerkritik

Loading… zeigt der Bildschirm auf blauem Standard-Hintergrund an, Loading… zeigt der Bildschirm an und verspricht, in Kürze eine DVD abzuspielen, Loading… Die Endlosschleife von nicht und nicht enden wollenden Ladevorgängen im Video Please be Patient (2009) steht programmatisch für Ruben Aubrechts beharrlichen Versuch, die Grenzen des Mediums Video entlang der Grenzen des Bildschirms, auf denen es in der Regel gezeigt wird, immer wieder neu auszuloten.

In seinen Videoloops attackiert der Künstler die Idee der Black Box mit humorvoll-erhellenden Einblicken: Was könnte in diesem obskuren Apparat, in dieser technologischen Anordnung und in diesem schwarzen Raum alles vor sich gehen? Welche medialen Prozesse verstecken sich hinter diesem von Geheimnissen umwobenen und viel zitierten Sinnbild, dessen Funktionsweise und innerer Aufbau dem Laien unbekannt sind? Ist es etwa ein gelb leuchtender Gummiball (2006), der wie wild geworden vom linken zum rechten und vom oberen zum unteren Bildschirmrand springt und dadurch die Videobilder in Bewegung versetzt? Sind es die Wassertropfen, die sich an einem regnerischen Tag im April (2005) entlang der dicken Glasscheiben ihren Weg in die Freiheit bahnen oder ist es eine einsame Fliege (2004) in ihrem sterilen Gefängnis, die – vielleicht irgendwann einmal – Geschichten erzählt?

Ruben Aubrecht stellt durch das Medium Video Fragen an das Medium Video. Sein Ansatz ist aber nicht darauf ausgelegt, das Spezifische der künstlerischen Ausdrucksform in den Vordergrund zu rücken und dadurch Autonomie zu behaupten. Im Gegenteil, er konfrontiert die Schwere einer medienreflexiven künstlerischen Praxis mit leichtfüßiger Alltäglichkeit: Defekt (2006) steht auf einem handgeschriebenen Zettel, den er mit einem Klebestreifen im Zentrum des Bildschirms anbringt. I was here (2008) kritzelt er ähnlich beiläufig mit einem weißen Permanent-Stift auf die verführerisch schwarz-glänzende Oberfläche des Monitors und schreibt sich damit selbst in sein Medium ein. Nicht das Papier, auch nicht die Farbpigmente des Stiftes erscheinen auf dem Bildschirm, es sind Videobilder dieser Realitäten, die zu Metabildern der künstlerischen Videopraxis von Ruben Aubrecht werden.

Die Ästhetisierung des Lebens, die der Künstler durch Störmomente und Momente der Verstörung zu forcieren sucht, spinnt er in Reflexionen über sich wiederholende Muster des Künstleralltags weiter. Auftragsarbeit (2009) lautet der pragmatische Titel eines mit Bleistift fein säuberlich imitierten Kassa-Bons über den Betrag von 1000 Euro – der Rechnungsleger: Ruben Aubrecht. Expertise (2010) nennt er die Gutachten von Kunstsachverständigen, die ihrer eigenen Expertise ein positives Urteil zuerkennen und dem Kunstwerk eine Rendite versprechen – der Auftraggeber: Ruben Aubrecht. All My Discarded and Rejected Projects (2010), sich selbst erklärend – der Sammler: Ruben Aubrecht mit dem offensichtlichen Ziel, die Mechanismen des Kunstbetriebs auszuhebeln und mit einem Augenzwinkern ad absurdum zu führen. Ruben Aubrecht mit dem Ziel, Erwartungshaltungen aufzubauen aber niemals einzulösen. Ruben Aubrecht, Dreaming of Making Good Art (2008), in einem Sessel schlafend und auf die Leinwand gebannt: Loading…

Please be Patient, 2010, DVD, Farbe, stumm, 1´18 | 2009, DVD, colour, silent, 1´18

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