Darmstädter Sezession

Über das Werk von Gloria Brand

Von Herbert Dellwig – 12.07.2013

Künstlerkritik

Gloria Brand arbeitet ausschließlich mit collagiertem Papier. Das von ihr mit dichten informellen Strukturen gestaltete Papier verarbeitet sie zu bewegten Bildräumen. (…) In der komplexen Unbestimmtheit liegt die Magie dieser Kunstwerke, die in ihren Formen ein ständig wechselndes Raumerlebnis offerieren. (…)

Ihre Werke sind geprägt von der Dialektik zwischen dem informellen Chaos und der Disziplinierung von Zeichen und Formen – ein Spannungsfaktor, der alle ihre Bildobjekte kennzeichnet. Die architektonische Komponente erinnert und verweist auf Dinge der Realität, aber nicht der Dinge wegen; es geht der Künstlerin nicht um den konkreten Gegenstand, vielmehr um die Schaffung von Situationen und Kraftfeldern als Ausdruck ihrer komplexen Erfahrungen. (…)

In der experimentellen Serie der weißen Faltungen tritt die Farbe zugunsten der durch Licht und Schatten in unterschiedlichen Valeurs bewirkten Raumhaltigkeit in den Hintergrund. (Gloria Brand verarbeitet dabei weiß übermaltes gefärbtes Papier, das durch die Übermalung hindurchscheint und den Arbeiten eine atmende Oberfläche gibt.) Die weißen Faltungen erscheinen gegenüber älteren Arbeiten einfacher und legen den formalen Zusammenhang bloß, der kompliziert genug ist. Er ist auch hier von einer bildmäßigen Tektonik bestimmt. Die Künstlerin verzichtet bei diesen Arbeiten auf gerissenes Papier und verwendet ausschließlich linear begrenztes, geschnittenes Papier.

In ihrer Serie »Transparente Quadrate« mit die Künstlerin wieder geschnittene und gerissene Papiere und verarbeitet auch wieder Farben, die sie aber durch transparente Papiere zum größten Teil überdeckt und verschleiert. Ähnlich wie ein Milchglas verändern die transparenten Papiere die dahinter befindlichen Farben wie auch die räumliche Struktur. Die harten Kontraste verschwinden, die Konturen werden aufgeweicht, die Farben gehen fließend ineinander über. In Teilen bleiben aber Zwischenräume, die den Durchblick, den direkten Blick auf die Farbcollagen ermöglichen. Das Nebeneinander von offenen und verschleierten Segmenten gibt den Bildobjekten eine zusätzliche Magie, die die Neugier des Betrachters und die Auseinandersetzung mit dem Werk herausfordert.

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