Darmstädter Sezession

Über das Werk von Hannelore Köhler

Von Hans van der Grinten – 01.01.1985

Künstlerkritik

Im natürlichen Licht verhalten sich die Skulpturen als bestimmte, kernhafte Volumina, aber in der Besetzung des Räumlichen wirken sie zurückhaltend. Alles Ausladende, Herausragende ist ihnen fremd, Man muß zum gegenwärtigen Zeitpunkt, die dreißigjährige, beharrliche Ausbildung des Oeuvres überblickend, bedauern, daß der Bildhauerin eine sehr großdimensionierte Aufgabe bisher nicht zugewiesen worden ist. Sie würde Wirkungen auf weite Sicht mobilisieren, die sich aus den meist unterlebensgroßen Steinen und Bronzen nicht herleiten lassen. Die innere Monumentalität jedes Werkstücks steht außer Frage. Gerade in der Gegenwart, die im öffentlichen Raum mit großen Abmessungen zu operieren gewöhnt ist, wird aber ein adäquater Vergleich Einsichten liefern, die Hannelore Köhlers Werk eine Position verschaffen könnten, die über die der beschlossenen Intimität hinausführt. Ihre Bilder haben prägende Eigenschaften, Hauptzüge der Erscheinung, die sich, sieht man sie zusammen mit den dreidimensionalen Resultaten, mit Nachdruck abheben. Gemeinsam ist beiden Feldern zwar die große Form, aber einmal tritt das oben erwähnte Indivisuelle, oft Portraithafte der durchweg Fügürlichen besetzten Szenerie unabweisbar in das Betrachterauge, zum anderen kommt ein Zug lakonischer, ironischer, relativierender Heiterkeit ins Spiel, das sich den Skulpturen, so wie sie allesamt sind, überhaupt nicht anverwandeln ließe. Diese entstehen mit eindringlicher, vertiefter Konzentration, jene mit leichter Hand, offenem Duktus, unbesorgt um ihren definitiven Status. Dabei besetzen sie stattliche Abmessungen, nehmen sich nicht zurück, haben nichts Beiläufiges. Es äußert sich in ihnen die Summe des Erfahrenen, Erlebten, Überwundenen, kurz: Sie sind das existenzielle Ventil, das der Konzentration, der Eindringlichkeit, dem Ernst der bildhauerischen Prozesse ein in sich schlüssiges Gegenüber verschafft.

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