Darmstädter Sezession

Hans-Jürgen Herschel über das Werk von Holger Grimm

Von Hans-Jürgen Herschel – 24.07.2013

Künstlerkritik

Man könnte sich, selbst wenn man ein ausgebildeter Steinmetz ist wie Holger Grimm, davon abschrecken lassen, man könnte sich damit begnügen, den Stein nach allen Regeln des Handwerks bearbeiten zu können. Wozu in ihn dringen, wozu ihn verstehen? Ein Künstler aber will gerade dies: den Dingen auf den Grund gehen, ihr Wesen erfassen, auch und gerade dann, wenn Worte nicht mehr hinreichen. Die Aufgabe der Kunst liegt nämlich nicht in der Verschönerung der Welt – dafür gibt es Tapeten – sondern darin, mit den ihr eigenen Mitteln, mit ihrer sprachlosen Sprache zur Erkenntnis der Welt beizutragen. Und dennoch macht sich Holger Grimm auf den Weg. Er tastet die Oberfläche des Steins ab: mit den Augen, mit den Händen, spürt neben frischen, »bruchrauen« Oberflächen andere, die die Natur bearbeitet hat, über lange Zeiträume hin, Verwitterungsspuren lassen sich ablesen, …

Holger Grimms Arbeiten, zumindest die jüngeren, verlassen nicht die Sphäre des Abstrakten, und so gestatten sie dem Betrachter eigene konkrete Deutungen.

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