Darmstädter Sezession

Grußwort

Von Jochen Partsch, Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt – 03.08.2011

Allgemein

Liebe Ausstellungsbesucherinnen und -besucher, herzlich willkommen zur 36. Jahresausstellung der Darmstädter Sezession 2011:

Nahezu der gesamte Spätsommermonat August steht ganz im Zeichen der Schau »Vielfach verortet« und ihres »Preises für junge KünstlerInnen«. Zum ersten Mal steht das multimediale Thema Video/Foto/Installation und Zeichnungen im Blickpunkt, und dies – auch das eine Premiere – gleich an vier verschiedenen Orten unserer Stadt. Zudem wird auch – seit 1987 nun schon – der Förderpreis der Vereinigung verliehen. Wieder einmal präsentiert die traditionsreiche Vereinigung bildender Künstler eine facettenreiche Auswahl junger Nachwuchstalente – diesmal jedoch bewusst thematisch offen.

Fünfzig Künstlerinnen und Künstler zeigen im Designhaus, im Bildhaueratelier des Museums Künstlerkolonie, im Künstlerhaus Ziegelhütte und auf dem dortigen Freigelände sowie in der Galerie Südhessen des Regierungspräsidiums ihr Repertoire. Jeder Ort erhält dergestalt sein eigenes Gesicht.
Es war der 8. Juni 1919, vor über neunzig Jahren, als Kasimir Edschmid und Carl Gunschmann die heute legendäre »Darmstädter Sezession« ins Leben riefen.

Hervorgegangen war diese Vereinigung im Fahrwasser der Novemberrevolution von 1918/19 aus dem Darmstädter Freundeskreis der beiden spätexpressionistischen Zeitschriften »Die Dachstube« und »Das Tribunal«. Im ersten Sezessions-Katalog formulierte die Vereinigung ihr Credo: »Darmstadt fühlt sich stark genug, aus künstlerischer Provinz wieder künstlerische Hauptstadt zu werden.« Neue Kunst und neues Denken sollten Hand in Hand gehen. Zu den namhaften Gründungsmitgliedern zählten etwa der Maler Max Beckmann, der Schriftsteller Kasimir Edschmid und der Maler Carl Gunschmann, aber auch Persönlichkeiten wie Theodor Haubach, der Bildhauer Bernhard Hoetger, Ludwig Meidner, Carlo Mierendorff oder Hans Schiebelhuth. Schon am 1. September 1919 eröffnete die erste Ausstellung in der Darmstädter Kunsthalle am Rheintor.

Von Beginn an pflegte die Darmstädter Sezession, damit ihrer Zeit voraus, die Kunst der Grenzüberschreitung, wagte neue Wege, setzte Maßstäbe mit Blick auf die Vielfalt der Stile, bediente sich des crossovers, schon zu Zeiten, als man diesen Begriff noch gar nicht kannte. So spiegelt sich denn auch die Kunst des 20. Jahrhunderts in der Geschichte dieser Künstlervereinigung. Die Darmstädter Sezession hat indes den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft, ist bis heute eine Bereicherung unserer weltoffenen Kulturstadt Darmstadt.

Mein großer Dank gilt nicht nur der Darmstädter Sezession, sondern auch der HSE-Stiftung, der Kurt- und Lio Werner-Stiftung und nicht zuletzt der Merckschen Gesellschaft, die die diesjährige Veranstaltung großzügig unterstützen. Von Jean Paul stammt der schöne Satz: »Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens.« Ich wünsche Ihnen allen in diesem Sinne anregende, multimediale Kunst-Eindrücke beim Besuch der 36. Jahresschau und der August-Veranstaltungen der Darmstädter Sezession, herzlich Ihr

Jochen Partsch
Oberbürgermeister der Wissenschaftsstadt Darmstadt

07.08.2011
Museum Künstlerkolonie