WHO CARES ABOUT FLYING FISHES
Galerie KUNSTPUNKT zeigt Jörn Ludwig Heilmann

Darmstädter Sezession

Fliegende Fische zwischen den Welten

Von Roland Held – 13.03.2015

Allgemein, Künstlerkritik

13.03.2015_Darmstädter Echo, Text: Roland Held, Foto: Veranstalter

Fliegende Fische zwischen den Welten

Kunstschau – Neues von Jörn Heilmann im „Kunstpunkt“ – Eröffnung am heutigen Freitag
Sachlich in schmalen Naturholzrahmen präsentiert der Darmstädter Jörn Heilmann seine jüngsten Werke. Wie Laborpräparate finden sich ihre Motive eingegossen in Paraffin. Heute (Freitag) wird seine Schau im „Kunstpunkt“ eröffnet.

DARMSTADT.
Who cares about flying fishes? – Wer schert sich schon um fliegende Fische? Die Frage, mit der Jörn Heilmann die Ausstellung überschreibt, verweist erst mal zurück auf ihn selbst. Mehrmals erscheinen die im zoologischen Fachjargon Exocoetidae genannten, des Gleitflugs fähigen entfernten Verwandten der Barsche auf seinen Bildern. Ungefähr lebensgroß sogar auf „Bestandssichtung: Fliegender Fisch“: mit den Flossen simultan in mehreren Phasen des Flatterns, eingepasst ins geometrische Schema einer Pyramide wie in einen Käfig, das Tier pistaziengrün, während der Ton des Umfelds lachsrosa ist. Und das alles leicht verschwommen, weil alles Wiedererkennbare sich präsentiert unter einer Schicht Paraffin, glatt verstrichen und doch belebt von Spachtelspuren, Luftblasen, kleinen Unregelmäßigkeiten. Wie immer die Farbdominante der teils schulheftkleinen,über die Wand verteilten Werke wechselt, die Rolle der Kunstwachsschicht bleibt die gleiche. Einerseits legt sie eine geheimnisvolle Distanz zwischen Betrachter und Bildgegenstand; andererseits verklammert sie das motivisch Heterogene: biologische und physiologische Illustrationen aus Lehrbüchern, fragmentarisch und assoziativ ineinandergeschnitten mit Textbruchstücken, verfremdeten Fotografien und zeichnerisch-abstrakten Einsprengseln.

Fische unterschiedlicher Spezies kommen dabei immer wieder vor. Aber auch menschliche Schwimmer, Taucher, Springer, wie aus angejahrten Anleitungen für Wassersportler genommen, etwa in „Unter Packeis tauchen“, besonders treffend betitelt, weil der Effekt des Paraffins wirklich dem Blick durch eine Eisfläche auf das darunter sich Abspielende ähnelt. Mit dieser analoge und digitale Quellen, quasi-wissenschaftliche Sachlichkeit und subtile Stofflichkeit vermählenden Methode hat Jörn Heilmann seine künstlerische Produktion auf eine neue Stufe geführt.

Eine Tiefe des Verrätselns und Enträtseln ist angetippt, die er, ursprünglich von der Graffiti-Art herkommend, mit seinen danach entstandenen, graphisch flüssig-eleganten, doch etwas eindimensionalen Tafelbildern nicht erreichte. Mag sein, dass er uns nun mit den zwischen Mikro- und Makrokosmos oszillierenden Motivzitaten warnen möchte, dass die Wirklichkeit zu vielschichtig ist, um in ein Lehrbuch gezwängt zu werden. Wer sie erkunden will, muss demnach fähig sein, so mühelos zwischen den Sphären hin und her zu wechseln wie der Fliegende Fisch zwischen dem Wasser der tropischen Meere, die er bewohnt, und der Luft. So betrachtet, wird das wendige Tier zur Generalmetapher für den Künstler – der mit Phantasie und Handwerk ja auch über ein potentes Flossenpaar verfügt.

ERÖFFNUNG
Die Ausstellung im Kunstpunkt, Kaupstraße 44, wird eröffnet am Freitag, 19 Uhr. Sie ist zu sehen bis zum 22. März jeweils Freitag, Samstag, Sonntag 16 – 19 Uhr.

13.03.2015
Galerie KUNSTPUNKT
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