Darmstädter Sezession

Über das Werk von Horst Dieter Bürkle

Von Dr. Roland Held – 16.07.2013

Künstlerkritik

Sie verdichten sich sukzessive in Horst Dieter Bürkles (HDB) schöpferischem Ausstoß, regieren die Fotografie mehr als den Film und die Objektkunst mehr als die Fotografie. Ohne dass ihm – bei allem einschlägigen Vorwissen – bewusste Übernahmen unterstellt werden bräuchten, tauchen bei ihm von Manieristen aller Epochen verwendete, symbolisch hoch aufgeladene Motive auf: Labyrinth, Würfelbecher, Ruine bzw. Friedhof, Rätselmaschine, Hieroglyphik und Emblematik, Spiegel-Situation sowie eine schon besessen zu nennende Fixierung aufs menschliche Auge. Im Voranschreiten von Terrakottaplastiken zu Mixed-Media-Objektkästen wird die Präsentationsweise selber zum Teil des Präsentierten und lässt dabei an die Kombinatorik der fürstlichen Kunst- und Wunderkammern des 16. und 17. Jahrhunderts denken, wo sich Naturgewachsenes und Menschengeschaffenes in Regalen und Vitrinen in einträchtiger Nachbarschaft drängeln. Bereits im Film »V für Vietnam« hat HDB die Buchstaben des Alphabets als Rohmaterial entdeckt, gestalterisch gleichwertig einem fotografierten (und dann doch wohl auch: gemalten) Bild. In manchen »zerlegten« Fotografien und erst recht in der 14teiligen Installation »Friedhof der verschwundenen Wörter« werden Buchstaben selber zum verdinglichten Gegenstand der Kunstbetrachtung. Bilder werden gelesen, Wörter betrachtet, sogar umschritten, betastet. Aber eben auf solche Effekte muss »Concetto« – in Gustav René Hockes Manierismus-Terminologie ein »Bildbegriff oder Begriffsbild« – letztlich ja zielen!

»Von einem, der auszog, seine Bilder zu finden« lautet der Titel, unter dem HDB seinen artistischen Werdegang sprachlich subsummiert. So einer denkt und rechnet und wacht und träumt in Bildern, bis ihm auch die Elemente der Sprache willig als anschauliches Bild gegenübertreten. So einer wird irgendwann von den Bildern wiedergefunden, zurückgeliebt.

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