Darmstädter Sezession

Chronik der Darmstädter Sezession

Die 20er Jahre

Expressionismus und Neue Sachlichkeit

10. JUNI BIS 30. SEPTEMBER 1920
Die Darmstädter Sezession, der Verband der Bildenden Künstler in Hessen und der Ständige Rat zur Pflege der Kunst in Hessen präsentieren auf der Mathildenhöhe die fast 1000 Exponate umfassende Ausstellung »Deutscher Expressionismus Darmstadt 1920«, in der nahezu alle bedeutenden Vertreter der Moderne versammelt sind. So hängen die Werke der Darmstädter Künstler neben denen von Dix, Jawlensky, Kandinsky, Kokoschka, Picasso und Schwitters, um nur einige wenige berühmte Namen zu nennen.

Abb.: Mitgliederliste, in Ausstellungskatalog Deutscher Expressionismus Darmstadt 1920, S. 17

JULI 1920
Auf Einladung der Sezession spricht Paul Colin, Generalsekretär der Clarté-Gruppe über »Die Verständigung der Völker auf politischem und künstlerischem Gebiet«. Die Polizei muß die Veranstaltung gegen nationalistische Störversuche sichern.

4. FEBRUAR 1921
Kasimir Edschmid legt sein Amt als Präsident der Darmstädter Sezession nieder. Am 4. Februar folgen Wilhelm Michel als erster und Carl Gunschmann als zweiter Vorsitzender.

25. MAI 1921
Die Uraufführung von Edschmids Kean im Landestheater führt zu einem Theaterskandal.

Abb.: Besetzungszettel zur Uraufführung von Kean von Kasimir Edschmid, 25.05.1925

14. OKTOBER 1921
Beginn der Herbstausstellung in der Kunsthalle am Rheintor. In seiner Eröffnungsrede »Verrat am Deutschtum« beklagt Wilhelm Michel zunehmend antisemitische Tendenzen im Land. In der Mitgliederliste des Katalogs fehlen nun Namen von Literaten, Theaterleuten und Kunstkritikern.

AB 1922
Die Frühjahrs- bzw. Herbstausstellungen in der Kunsthalle am Rheintor werden nur noch im zweijährigen Rhythmus veranstaltet. Die Darmstädter Sezession schließt sich der Neuen Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst an, in der alle Künstlergruppen Hessens zusammengefasst sind.

2. MAI 1922
Prof. Dr. K. Brunner aus Berlin hält einen Vortrag über »Theaterelend und Volkserneuerung« in der Aula des Realgymnasiums. Mitglieder der Darmstädter Sezession versuchen die Veranstaltung zu sprengen.

20. MAI BIS 1. OKTOBER 1922
Die Ausstellung Deutsche Kunst Darmstadt 1922, die von der Kunstkritik als »allzu provinziell« abgelehnt wird, ist auf der Mathildenhöhe und in der Kunsthalle am Rheintor zu sehen. Verantwortlich für die Ausstellung ist die Neue Hessische Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst.

18. MAI BIS 1. OKTOBER 1923
Die Ausstellung Deutsche Kunst Darmstadt 1923 wird – wie die gleichnamige Ausstellung ein Jahr zuvor – wieder auf der Mathildenhöhe und in der Kunsthalle am Rheintor gezeigt. Im Gegensatz zur Vorgängerausstellung sind nun jedoch solch namhafte Künstler wie Dix, Davringhausen, Kanoldt, Felixmüller, Hofer, Kandinsky und Klee vertreten. Otto Dix‘ heute verschollenes Bordellinterieur Salon II sorgt in Darmstadt für einen Kunstskandal. Auf Bestreben des rechtskonservativen Malers Adolf Beyer wird das Gemälde aufgrund der »unzüchtigen« Darstellungsweise aus der Ausstellung entfernt.

FRÜHJAHR 1924
Die erste Mappe der Darmstädter Sezession erscheint. Darin sind handsignierte Blätter von Jakob Kahn, Erna Pinner, Josef Eberz, Adam Antes, Herman Keil, T. C. Pilartz und Carl Gunschmann. Die Mappe ist im Auftrag der Darmstädter Sezession hergestellt und publiziert vom Verlag Die Dachstube.

APRIL 1924
Eröffnung der Frühjahrsausstellung in der Kunsthalle am Rheintor. Im Katalogvorwort werden unter den Mitgliedern auch der Intendant des Landestheaters, Gustav Hartung, und der Komponist Paul Hindemith genannt.

17. MAI BIS 1. OKTOBER 1924
Die Südwestdeutsche Kunstausstellung. Baden. Hessen. Württemberg wird, unter künstlerischer Verantwortung der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst auf der Mathildenhöhe präsentiert. 1925 Die faschistoide Kulturpolitik des Malers Adolf Beyer, der sowohl dem Ausstellungsausschuss als auch der Jury angehört, beginnt sich bereits abzuzeichnen.

17. OKTOBER 1926
Well Habicht eröffnet die Herbstausstellung der Darmstädter Sezession in der Kunsthalle am Rheintor.

15. JANUAR 1927
Die Darmstädter Sezession lädt zum Gesellschafts-Maskenball »Das Porträt« in die Kunsthalle am Rheintor ein.

SEPTEMBER · OKTOBER 1928
Die Ausstellung Neue Kunst. Berlin. Darmstadt. München wird von der Neuen Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst, der die Darmstädter Sezession seit 1922 angehört, auf der Mathildenhöhe gezeigt.

Die Interessengemeinschaft fortschrittlicher Künstler Hessens zeigt ihre Herbstausstellung. Im Vorwort des Ausstellungskatalogs wird erklärt: »Mit dieser Herbstausstellung debütiert die ‚Interessengemeinschaft fortschrittlicher Künstler Hessens‘. Die seit 1919 bestehende ‚Darmstädter Sezession‘ und die seit 1920 bestehende ‚Darmstädter Gruppe‘ entschlossen sich, zu Beginn 1928 eine übergeordnete Organisation zu errichten, mit dem ausgesprochenen Zweck, an die Stelle von Einzelbemühung und Zersplitterung Gemeinschaftsarbeit mit größter Planung zu setzen.«

16. JUNI BIS 6. OKTOBER 1929
Der schöne Mensch in der neuen Kunst lautet der programmatische Titel der Ausstellung, die von der Interessengemeinschaft fortschrittlicher Künstler Hessens – bestehend aus ‚Darmstädter Sezession‘ und ‚Darmstädter Gruppe‘ – veranstaltet wird. Neben einer fotografischen Rückschau ausgewählter Werke kommen solch renommierte Maler und Bildhauer des In- und Auslandes wie Archipenko, Baumeister, Beckmann, Belling, Chagall, Herbin, Hofer, Mense, Oppi, Tozzi oder Valladon der Einladung der Darmstädter Sezession nach, »die Bedeutung des nackten Körpers als vornehmstes Motiv der bildenden Kunst weiten Kreisen bewußt zu machen, die heute im Zeitalter der Stadions und Sonnenbäder mehr als je darauf vorbereitet sind«.

Die Präsentation Der schöne Mensch in der neuen Kunst, die ursprünglich »Der nackte Mensch in der neuen Kunst« heißen sollte, ist die letzte von der Darmstädter Sezession organisierte Ausstellung in Darmstadt vor der nationalsozialistischen Machtübernahme.

Blick in die Ausstellung Der schöne Mensch in der neuen Kunst, © Stadtarchiv Darmstadt Inv.-Nr. Da/K/3

10.06.1920 - 30.09.1920
Ausstellungshalle Mathildenhöhe
15.01.1927
Kunsthalle am Rheintor
16.06.1929 - 06.10.1929
Ausstellungshalle Mathildenhöhe ?