Darmstädter Sezession

Chronik der Darmstädter Sezession

Die 30er Jahre

Die Sezession und der Nationalsozialismus

1930
Die Darmstädter Sezession ist in diesem Jahr mit keiner Ausstellung vertreten; Adolf Beyer hingegen präsentiert von Juni bis September die Schau 200 Jahre Darmstädter Kunst auf der Mathildenhöhe und in der Kunsthalle am Rheintor.

OKTOBER-NOVEMBER 1932
Die Vereinigung Darmstädter Künstler unter der Leitung von Adolf Beyer zeigt ihre Herbstausstellung in der Kunsthalle am Rheintor. Nur die »Darmstädter Gruppe« zeigt in diesem Jahr eine Ausstellung mit dem Titel 12 Maler malen eine Frau auf der Mathildenhöhe, die Darmstädter Sezession ist auch in diesem Jahr mit keiner Ausstellung vertreten.

1933-1945
Während Adolf Beyer das kulturpolitische Geschehen Darmstadts in der Nazi-Zeit beherrscht, wird die Darmstädter Sezession zwar weder offiziell aufgelöst noch verboten, doch bestehen nun im Zuge der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten keinerlei Möglichkeiten mehr, als eigenständige Künstlergruppe in Darmstadt auszustellen. Alle bestehenden Künstlervereinigungen werden im Juli 1933 unterschiedslos zum »Reichskartell der bildenden Künste« zusammengeschlossen.

Die Frage nach der Darmstädter Sezession während des Nationalsozialismus kann nur individuell beantwortet werden. Künstler wie Adam Antes, Well Habicht, Hermann Keil und die beiden späteren Mitglieder der »Neuen Darmstädter Sezession« Karl Deppert und Willi Hofferbert bleiben in dieser Zeit in Darmstadt, andere wie Carlo Mierendorff und Theodor Haubach schließen sich dem Widerstand an, werden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Haubach wird 1945 von den Nazis im Zuchthaus Plötzensee hingerichtet, Mierendorff stirbt 1943 bei der Bombardierung in Leipzig. Einige Mitglieder der Sezession verlassen während der nationalsozialistischen Herrschaft »nur« ihre Heimatstadt, andere ihr Heimatland: Carl Gunschmann geht 1937 nach München und von dort an den Chiemsee, Paul Thesing wandert 1929 nach Südfrankreich, von da nach Spanien und Italien, 1943 kehrt er nach Deutschland zurück. Gustav Hartung und Bernhard Hoetger emigrieren 1933 in die Schweiz, Max Beckmann 1937 nach Holland und später in die USA, Ludwig Meidner 1939 nach England. Hans Schiebelhuth stirbt 1944 in New York, Kasimir Edschmid hält sich häufig in Italien auf und Ernst Moritz Engert wird als Soldat eingezogen.

13. MAI 1934
Adolf Beyer hält zur Eröffnung der Deutschen Frühjahrs-Ausstellung Darmstadt 1934 eine polemische Rede gegen die Kunstpolitik der »Systemzeit«, in den Augen Ernst Liebermanns: »eine ausgezeichnete, kerngesunde deutsche Schau«. Ausgestellt wird unter anderem ein Porträt Adolf Hitlers von Ernst Heilemann, und Adolf Beyer läßt es sich als künstlerischer Leiter nicht nehmen, im Ausstellungskatalog einen Auszug aus der »Rede des Führers in Nürnberg 1933« abzudrucken.

7. JULI BIS 15. OKTOBER 1935
Die »NS-Kulturgemeinde Darmstadt« und der »Kunstverein für Hessen« präsentieren die Kunstschau Deutscher Meister auf der Mathildenhöhe. »Die offenbaren Unflätigkeiten, Zerrbilder, Darstellungen von Dirnen und Proleten, sowie expressionistischen Stümpereien (…) sind verschwunden«, heißt es im Katalogvorwort.

Paul Thesing

20. JUNI 1936
Die NS-Kulturgemeinde zeigt auf Initiative des Oberbürgermeisters Otto Wamboldt in der Kunsthalle am Rheintor die aus Dresden übernommene Schau Entartete Kunst, die auch in Darmstadt gut besucht wird.

9. SEPTEMBER 1936
Im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe wird die Schau Volk und Rasse des Dresdner Hygienemuseums eröffnet.

6. FEBRUAR 1938
In der »Hessischen Landeszeitung« erscheint eine Rezension zu einer Sonderausstellung der Darmstädter Sezession im Frankfurter Kunstverein. In der Ausstellungsbesprechung wird deutlich, dass sich die noch im Rhein-Main-Gebiet verbliebenen Künstler der »Darmstädter Gruppe« und der Darmstädter Sezession zusammengeschlossen haben und gemeinsam unter dem Namen »Darmstädter Sezession« im Kunstverein ausstellen. Von den Mitgliedern der vordem bestehenden Darmstädter Sezession werden lediglich Reinhold Ewald und Gottfried Diehl genannt, wobei Diehl als Vorsitzender der »Darmstädter Sezession« tituliert wird. »Um moderne Kunst und moderne Musik wieder einander näher zu bringen«, heißt es überdies, hätten sich Sezession und ein Arbeitskreis für neue Musik zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen.