Darmstädter Sezession

Karl Albiker – Lebensdaten

Untertitel des Artikels

31.10.2013 – von Horst Dieter Bürkle

Karl Albiker war ein Bildhauer, der wesentlich an der Entwicklung der modernen Skulptur aus dem Geiste Frankreichs in der ersten Hälfte des 20. Jh. in Deutschland beteiligt war. 1898/99 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Hermann Volz, einem der erfolgreichsten Denkmalplastiker seiner Zeit. Albiker, der seit der gemeinsamen Studienzeit unter anderem mit dem expressionistischen Maler Karl Hofer befreundet war, bildet sich in den Jahren 1899/1900 in Paris an der Académie Julien weiter.

In Paris lernt er den von ihm bewunderten Bildhauer Auguste Rodin kennen, der ihn zwischen Mai und Juli des Jahres 1900 ausbildet. Nachdem Karl Albiker sich von 1900-1903 in München aufgehalten hat, geht er 1903 zu einem längeren Studienaufenthalt nach Rom, wo er 1904 die Malerin Helene Klingenstein heiratet und 1904 auch sein Sohn Carl zur Welt kommt. 1905 bezieht er in Ettlingen ein eigenes Atelierhaus. Die Auszeichnung mit dem Villa-Romana-Preis ermöglicht ihm und seiner Familie 1910 einen Aufenthalt in Florenz, wo er dem Philosophen Leopold Ziegler begegnet, der ihm 1911 sein Werk »Florentinische Introduktion zu einer Theorie der Architektur und der bildenden Künste« widmet. 

Hinsichtlich seiner Militärzeit gibt es widersprüchliche Angaben: Während der Kunsthistoriker Ulrich Gertz vermeldet, er habe am I. Weltkrieg als Artillerist teilgenommen und sei schwerverletzt in die Heimat zurückgekehrt, berichtet Albikers Sohn Carl, er habe sich im April 1915 freiwillig gemeldet, sich im August 1917 während einer militärischen Übung beim Sturz vom Pferd schwer verletzt und sei im März 1918 als nicht kriegsverwendungsfähig aus dem Militär entlassen worden.

Im Jahr 1919 wird Karl Albiker als Professor an die Akademie der Bildenden Künste in Dresden berufen. Obwohl ihn 1919 auch eine Berufung der Karlsruher Akademie erreicht, die er zugunsten der Dresdner ablehnt, wird er 1927 zum Mitbegründer der Badischen Secession. Anfang der 1930er Jahr schafft er die Figur der «Hygiea» für das Dresdner Hygiene Museum.

Lange Jahre zählte man Albiker zu den bedeutenden Lehrern der Dresdner Bildungsstätten. Das nationalsozialistische Regime, dem es zunächst an Künstlern fehlte, die seine Ideologie zum Ausdruck hätten bringen können, begünstigt nach seiner Machtübernahme die künstlerische Tätigkeit durch den bereits unter der Weimarer Regierung beschlossenen und 1934 von der nationalsozialistischen Regierung umgesetzten Kunst-am-Bau-Erlass und beauftragt Bildhauer wie Karl Albiker, Richard Scheibe und Joseph Wackerle, die sich bereits in den 20er Jahren einen Namen gemacht hatten, mit der Schaffung von Großplastiken für den öffentlichen Raum, unter anderem für das Berliner «Reichssportfeld». Albiker wird in das Programm der plastischen Gestaltung der Anlage mit einbezogen und schafft dafür die beiden großen Figurengruppen «Fackelläufer» und «Diskuswerfer». Albiker gehört 1937 zusammen mit seinen Bildhauerkollegen Breker und Wackerle auch jener Jury an, welche die Auswahl zur «1. Großen Deutschen Kunstausstellung» im neugeschaffenen Haus der Kunst in München zu treffen hat. Zu Albikers Ehrenrettung lässt sich vorbringen, dass Hitler wenig später die Jury ob ihrer getroffenen Auswahl für abgesetzt erklärt und den NSDAP-Bildberichterstatter und kunsthistorischen Laien Heinrich Hoffmann zum neuen und einzigen Juror ernennt. 1943 wird Albiker die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Während der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges wurden Albikers Dresdner Wohnung und Atelier zerstört. 1947 kehrte er in seine badische Heimat zurück und gründete die Karl-Albiker-Stiftung, dank der seine eigenen Werke sowie Werke aus seiner privaten Kunstsammlung, darunter etwa 80 Arbeiten von Karl Hofer in den Besitz des Museums der Stadt Ettlingen kamen. 1953 erhielt er den seit 1951 als Staatspreis des Landes Baden-Württemberg vergebenen Hans-Thoma-Preis, 1957 das Große Bundesverdienstkreuz und 1958 verlieh man ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Ettlingen. Mitglied der Darmstädter Sezession wurde er Anfang der 1950er Jahre.

Albiker setzte sich mit nahezu allen Materialien und bildhauerischen Themen auseinander, bevorzugte jedoch Bronze und die Darstellung männlicher und weiblicher Akte; die Vorbilder Auguste Rodins und Aristide Maillols verband er mit einer an der Antike orientierten Formvorstellung. 

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