33. Jahresausstellung - Bea Emsbach
Preisträgerin des Sezessionspreises 2003

Darmstädter Sezession

BEA EMSBACH, Preisträgerin 2003

Von Christian Kaufmann – 03.01.2006

Künstlerkritik

Amazonenstation
Sie thronen in Baumkronen, Blätter und Äste sprießen ihnen wie Haare aus den Köpfen. Sie ringen miteinander und vollführen rituelle Tänze, deren Sinn uns verschlossen bleibt. »Fremde Frauen« nennt Bea Emsbach ihre neueste Werkserie, deren Protagonistinnen an mythische Amazonen erinnern. Wie bereits auf älteren Zeichnungen, taucht auch hier wieder ein charakteristisches gefäßartiges Leitungssystem auf, das die Figuren miteinander verbindet und sie zugleich anein-ander kettet. Technoide und zugleich archaisch anmutende Schaltappa-rate bilden Schnittstellen zwischen den Leitungen und garantieren den Energiefluss. Die Figuren hängen am Tropf dieser Systeme und es bleibt unentschieden, ob die Infusionen Energie zuführen oder Energie abzapfen. Darüber hinaus ist dieses sich selbst generierende System nicht nur Energie-Spender, sondern Kommunikationssystem im Generellen. Welche Signale werden die Männer – ja, es gibt sie tatsäch-lich im Reich der Amazonen – in ihren Erdlöchern mit den Kopfhörern auffangen? Kommen diese Signale von den Bäumen oder den Baumfrauen? Wieder einmal lässt uns die Künstlerin im Ungewissen. In den Baumfrauen scheint sich vorder-gründig der Wunsch nach einem paradiesischen Naturzustand zu spiegeln. Wenn man aber genauer hinsieht, dann erkennt man, dass dieser Zustand durchaus seine Tücken hat. Denn auch dieser Naturzustand bedarf offensichtlich der Infusion, er kommt auf Krücken daher und nur allzu oft scheinen die Geschöpfe geradezu an die Bäume gekettet. Das erfundene Universum von Bea Emsbach generiert sich selbst, aber seine Bewohner kom-men offenbar nicht ohne körperliche Blessuren davon. Utopie und Alb-traum, Sehnsucht und Intensivstation liegen auf den Zeichnungen von Bea Emsbach dicht beieinander. Die Zeichnungen Emsbachs erinnern in ihrer Grandezza in der Ausführung stets an Vorbilder aus der Renais-sance. Und wie die Künstler der Renaissance agiert auch hier die Künstlerin als Forscherin. Doch wenn damals das Verhältnis von Mensch und Natur neu vermessen wurde -und zwar zu Gunsten des Menschen – so scheint dieses Selbstbewusstsein heute mehr und mehr fragwürdig, ja nicht mehr haltbar. Die geklonten Wesen von Bea Emsbach jedenfalls sind Abhängige – voneinander und vom System.

25.09.2005
Institut Mathildenhöhe
25.09.2005
Institut Mathildenhöhe
Beitrag zu Künstler