Darmstädter Sezession

Über das Werk von Sigrid Siegele

Von Anja Trieschmann – 13.08.2013

Künstlerkritik

Die Stelen: Klinkersteine, einst funktionales Baumaterial, nun entzweckt und durch Körpereinsatz zu strebender Form gemauert. Wie eine Verletzung: Ein Schnitt spaltet vertikal das Gemäuer, ein Lichtschacht lässt Einblick, Durchblick, Zwischenraum im Objekt entstehen. Und ein zweiter Raum bildet sich: Vier Stelen stehen beieinander, begrenzen den Raum zwischen ihnen, definieren ihn als ein in-Beziehung-Stehendes, in das Eintreten, Eindringen erlaubt, ja erwünscht ist. Erlebnisraum, offen für Neugierde und Spiel.

Das Licht: Man spricht von Lichtkegeln und davon, dass Licht aus einem Raum fällt, fließt, sich ergießt. Das sind räumliche Zuschreibungen. Licht-Bewegungen, die Raum markieren. Licht schafft Raum, verändert Raum, misst ihn, füllt ihn, weist ihn mittels Reflexion als Raum aus. Aus der Wunde fällt das Licht, sagen Mystiker und meinen: Neues entsteht im Erleben des Aufbrechens, des Verwundetseins.

Der Klang: Was klingt, wenn Stein beklopft, wenn Mörtel gerührt, aufgeschabt, verschmiert wird? Auch Klang schafft Raum. Hörraum, Umraum, Umgebung, Umlautung. Hören heißt, sichim Raum zurechtfinden. Hören erzeugt Vorstellungsräume im Kopf. Der Hörsinn ist für das Gleichgewicht und die Orientierung notwendig.

Die Komposition: lat. Com-Positio, Vereinzeltes wird zusammen gestellt, in Beziehung gesetzt. Eine Verbindung entsteht, die Einzelteile werden durch Kontextualisierung aufeinander bezogen. Was entsteht, wenn die Teile untereinander agieren, wenn etwas im Gefüge in Bewegung gerät?

Die Interaktion: Erlebnisraum, Denk- und Fühlraum erschließt sich durch Einmischung: Sich hinein begeben, aus der Passivität des Konsumenten aussteigen und einsteigen in das Spiel unberechenbarer Veränderungs-Impulse. Ein-Tritt in die Lichtschranke löst ein Ereignis aus: Manipuliert den Ton, die Lautstärke, die Lichtintensität oder die Lichtquelle. Der Einfluss ist nicht steuerbar. Er passiert durch die Bewegung des Körpers in dem von Stein, Licht und Ton erzeugten Raumgefüge. Der Betrachter wird zum Akteur immer neuer Erlebnisräume. Überraschung entsteht als ein Moment aktiver Präsenz.

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