Darmstädter Sezession

Nikolaus Heyduck: Abklingbecken

25.07.2013

Künstler über ihre eigene Arbeit

Die erste Arbeit, die Heyduck im Rahmen einer Ausstellung der Darmstädter Sezession realisieren konnte, trug den Titel »Innenaußen« und bestand aus einem Glaswürfel mit 80 cm Kantenlänge, der in Augenhöhe auf einem Sockel ruht. Im Innern befinden sich transparente Plastikabfälle. Dort hindurch bewegt eine von Heinz Runkel, Erzhausen, entwickelte Mechanik eine Videokamera plus Mikrofone. Die Videoübertragung aus dem Innern des Würfels ist zu sehen auf einer wandhohen Projektionsfläche hinter der Apparatur. Knirschende Geräusche aus dem Innern werden über vier Lautsprecher verstärkt und mischen sich mit dem Summen von Elektromotoren. Dieses Geschehen wird in Gang gesetzt durch Besucher, sobald sie in den Erfassungsbereich eines Bewegungs-Sensors treten. Auf diese Weise generiert der Aufbau unendliche Varianten abstrakt wirkender »Lichtzeichnungen«.

2007 war als installativer Aufbau ein Video mit dem Titel »Lichtspiel« zu sehen. Es besteht aus einer einzigen Einstellung aus dem Inneren einer S-Bahn während ihrer Fahrt durch eine Landschaft Südhessens. Das Licht der untergehenden Sonne fällt seitlich in den menschenleeren Waggon, rhythmisch unterbrochen durch die Struktur der vorbeiziehenden Landschaft. Bäume, Felder, Häuser formen Lichtstreifen, die auf den Sitzen des fahrenden Zuges zu stroboskopartigen Beleuchtungsabfolgen werden. Diese Aufnahme bildet das Ausgangsmaterial für eine Komposition, bei der sich unterschiedliche Bezüge zwischen Bild- und Tonspur entfalten und der lineare Zeitverlauf zunehmend umstrukturiert wird.

Mit seiner Arbeit für die Sezessionsausstellung des Jahres 2009 kehrt Heyduck zurück zum Thema des Plastikabfalls. Diesmal befindet sich dieser in einer Wanne mit den ungefähren Proportionen eines Doppelbettes. Ausschließlich farblose transparente Abfallteile heben und senken sich darin im Rhythmus eines sehr langsamen Atmens. Ein entsprechend an- und abschwellendes Leuchten aus der Tiefe kommt hinzu, sowie von Zeit zu Zeit eine flackernde Videoprojektion, die sich auf der Wand hinter dem Objekt ausbreitet. Das Video – eine Montage aus Einzelbildern verschiedener Abfallteile – entstand in Zusammenarbeit mit Carolyn Krüger.

Neben der Installation mit dem Titel »Abklingbecken« zeigte Heyduck 2009 zwei seiner am Scanner entstandenen »Mutationen« – aus der selben Serie, zu der Roland Held zuvor anlässlich einer Ausstellung im Künstlerhaus Ziegelhütte geschrieben hatte: »…schwindelerregende Slalomfahrten der Anatomie, von der zum Schluss rosig-rohe leischlandschaften übrig bleiben, die an die Malerei eines Francis Bacon erinnern«.

Auch bei Sonderausstellungen, die die Sezession unter der Serienüberschrift »12 Positionen« an wechselnden Orten ausrichtet, waren Arbeiten von Heyduck zu sehen – und zu hören: so 2010 in Szeged, Ungarn, die Klanginstallation »Bruchstücke Vs.1c«. Sieben Lautsprecher ohne Gehäuse sind mit ihren Membranen nach oben ausgerichtet. In den tellerartigen Vertiefungen liegen mehrere Glasscherben. Durch tieffrequente Sinusschwingungen werden die Lautsprecher in Bewegung gebracht. Während diese Töne zu tief sind, um selber hörbar zu werden, bringen sie über die Bewegung der Membran die Scherben zum klingen. Als 2012 Künstler der Sezession zu Gast waren im Museum Giersch, Frankfurt am Main, war noch einmal die weiter oben beschriebene Installation »Abklingbecken« zu sehen.

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