Darmstädter Sezession

12 Positionen 2010

Von Horst Dieter Bürkle – 23.04.2010

Allgemein

Die nunmehr seit neunzig Jahren bestehende Darmstädter Sezession umfasst aktuell rund 120 Mitglieder. Das bedeutet: Wenn wir die Arbeitsergebnisse unserer Künstler bei den Jahresausstellungen in den sehr weiträumigen Hallen auf der Darmstädter Mathildenhöhe präsentieren, bedarf es jeweils sowohl einer Selbstbeschränkung seitens der Mitglieder als auch kuratorischer Strenge seitens der Ausstellungsmacher und stellt uns somit immer aufs Neue vor Aufgaben schier herkulischen Ausmaßes. Wenn das schon schwierig ist, wie prekär wird es erst dann, wenn die Sezession auf Reisen geht? Wie schafft man es, die Künstlervereinung auch bei eingeschränkterem Transportvolumen und Raumangebot angemessen zu repräsentieren?

Gerda Bier, Isabelle Dutoit

Die Lösung besteht in der Beschränkung und der Auswahl auf eben die im Titel genannten »12 Positionen von Künstlern der Darmstädter Sezession« und genau das gibt es inzwischen bereits zum vierten Mal. Ausstellungen unter genau diesem Titel gab es während der zurückliegenden Jahre sowohl in Frankreich, im österreichischen Graz und in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin, wobei es sich keineswegs um eine so genannte Wanderausstellung handelte, die, einmal zusammengestellt, weitergereicht wird, sondern im jeweiligen Falle um zwölf völlig andere KünstlerInnen und deren Positionen. Womit wir zum Kern der Sache kommen, der da – und worauf wir auch sehr stolz sind – lautet: Das künstlerische Potenzial der Sezession reicht ohne weiteres aus, wieder und wieder zehnprozentige »Ausschnitte « präsentieren zu können, ohne hinsichtlich Vielfalt und Qualität irgendwelche Einbußen hinnehmen zu müssen.

Wie auch schon in den vorangegangenen Fällen achteten wir auch bei der Präsentation für Szeged auf eine möglichst ausgewogene Mischung aus Malerei und Bildhauerei von älteren und jüngeren Mitgliedern, aus Gegenständlichem und Abstraktem. Der Bogen reicht dabei von dem Darmstädter Bildhauer Helmut Lander, dem sowohl an Lebensjahren als auch in Bezug auf seine Zugehörigkeit zur Sezession ältesten Mitglied der Sezession bis hin zu der an Jahren jüngsten Malerin Isabelle Dutoit aus Leipzig, die vor fünf Jahren den alljährlich vergebenen Preis der Sezession gewann und seitdem zu unserer Vereinigung gehört. Thomas Duttenhoefer, der seine der griechischen Mythologie entrissenen Eisenplastiken zeigt, war 1976 der erste, der als Bildhauer den ein Jahr zuvor ins Leben gerufenen Preis in Empfang nehmen durfte, während Michael Zwingmann (Hannover) in der Reihe der in Szeged gezeigten Bildhauer mit den für ihn typischen abstrakten Arbeiten aus Stahl und Asphalt der jüngste ist. Für die dazwischen liegenden Jahrgänge stehen die Terrakotten von Eberhard Linke aus dem rheinland-pfälzischen Saulheim und die Materialcollagen der Gerda Bier aus Schwäbisch Hall. Den quasi »schwebenden« Bildern der bereits genannten Isabelle Dutoit stehen die erdgebundenen Selbstdokumentationen von Helmut Werres aus Frankfurt entgegen, der 1991 den Malereipreis erhalten hatte und seitdem der Sezession angehört; sie werden kontrastiert von den vielschichtigen Farbfeldmalereien der in Santiago de Chile geborenen Julia Philipps und denen des Darmstädter Malers Frank Schylla.

Eine Sonderstellung im Rahmen der Präsentation nehmen die Arbeiten von Horst Haack, Nikolaus Heyduck sowie die des in Frankfurt lebenden Klaus Staudt ein. Während die seriellen Reliefs des Letztgenannten sich hauptsächlich auf die Farbe Weiß, auf Transparenz, Licht und Raum beziehen und die Interaktion des Betrachters einschließen, wendet sich die Klanginstallation von Nikolaus Heyduck an Auge und Ohr des Betrachters. Die vierzehn Bildund Texttafeln des teils in Darmstadt, teils in Paris lebenden Horst Haack hingegen sind Bruchteile der Ende der 80er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts von ihm begonnenen und seitdem fortgeschriebenen »Chronographie Terrestre«, einem wahrhaften Work in Progress.

Horst Haack, Michael Zwingmann

Die Darmstädter Sezession freut sich, unserer Partnerstadt Szeged mit dieser Ausstellung einen ansehnlichen und würdigen Beitrag zum 20-jährigen Bestehen der partnerschaftlichen Verbindungen und den damit anstehenden Jubiläumsveranstaltungen zu bieten.

22.05.2010
REÖK - Regionális Összművészeti Központ